div. seismograph-besprechungen und -ansichten: ...........................................................................................das elffriede-system ist übrigens gav-mitglied
rezension / literaturhaus wien / marietta böning
skug / thomas ballhausen
gangway
"zwischenberichte aus den elffriede-welten:
Das System elffriede muss man sich als Perpetuum mobile vorstellen. Scheinbar ohne Pause produziert die Zeichnerin aus Wien Striche, Bilder, Fanzines und Bücher. Immer wieder auf ein Neues bemisst sie damit die Relativbewegungen unseres Alltags im Verhältnis zu ihrem eigenen Erleben. Auf den schwarz-weiß bedruckten Seiten ihres neuesten Buches "Seismograph" lässt sich beobachten, wie die träge Masse ihrer sogenannten Wechselwesen*, die oft wie riesige aufs Papier gesetzte Erdhaufen wirken, die Welt um sich herum in Schwingungen versetzt.
In Wechselwirkung dazu generieren die von elffriedes Schreibmaschine wie zufällig getippten Texte - kleine Beobachtungen, Tagebuchgedichte oder einfach Nonsens ("zwei tatsachen: / 4 kilo kartoffeln / 1 liter milch") - Irritation und Bedeutung. Wie die Wechselwesen selbst, die sich dabei beobachten, wie ihre Gliedmaßen sich zu eigenem Leben verselbstständigen, sich in Aufhäufungen zusammenrotten oder plötzlich unwahrscheinlich grazil durch schwarz-weiß übereinandergetürmte Landschaften balancieren, so verdreht sich in diesem Buch konstant der Sinn, dass einem vor Freude und verständnisloser Einsicht ganz schwindelig wird.
Im "Seismograph" sind sie festgehalten und neu erlebbar: die Momente zwischen verschrobenem Zeichenschwung, Gedankenstrom und Alltagspoesie. elffriede selbst funktioniert genauso wie das "Aufzeichnen-System", das sie in diesem Band einmal mehr vorlegt: sensibel, widersinnig und so komisch wie tiefgründig."
wolf in aponaut, zeitung für kulturelle entwicklung, duisburg 11.9.2007
elffriede in aponaut und nochmal
dazu muss elffriede sagen:
seismograph trägt keinen deut "alltagspoesie" in sich, sondern bloss knallharte realitäten und extreme kürzungen. der rest ist reine einbildung.
die sog. wechselwesen* waren lediglich eine vorübergehende erscheinung und rein oberflächliche erfindungen für das damalige gleichnamige buchprojekt.
sie sind längst überholt und inzwischen namenlose strich-sequenzen, die sich frei in alle richtungen bewegen z.b. in folgende:

sylvia köchl, malmoe 08/07
"für huflattich, spitzwegerich, liebstöckl und ingwer.
das cover: elffriede neben einem gestrichenen butterbrot, darunter 'seismograph'. dieser misst (hier) nicht (nur) die bodenerschütterungen, sondern ist ein ganzes 'aufzeichnen-system', eine möglichkeit, die welt zu betrachten, 'through the looking glas', gewissermaßen.
zeichnungen und texte, texte und zeichnungen versammeln sich also, sammeln sich, zerstreuen sich, erfreuen sich, erfreuen uns, die wir in diesem, im mai 2007 ganz druckfrischen buch von elffriede lesen, schauen, blättern. das lesen und schauen führt zum denken, zu einer art des denkens, wo die worte und wörter, die linien und punkte unsere gedanken für eine kleine weile dorthin ziehen, wo sie noch keine worte sind, aber, ja: wie schön, die grünen blumen auf dem braunen feld! locker springen die texte und bilder von der beobachtung und beschreibung zur erfindung von wirklichkeit(en), sie entnehmen dem alltag kleine proben, betätigen sich als wunschmaschine, als teleskop, als kaleidoskop, und: sie verweigern sich fröhlich der (zu)ordnung.
ja, dieses buch sei heiß empfohlen: es ist lustig, es ist traurig, man kann es überallhin mitnehmen und es wirkt."
ilse kilic c/o das fröhliche wohnzimmer, wien für die zeitschrift AUF, wien
Neues aus der Welt von elffriede
In dem neuen schwarzweißen Büchlein der ehemals Marburger, heute Wiener Zeichnerin und Schreiberin elffriede wird z. B. mitgeteilt: "der mann geht die donau entlang/ rauf und runter/ pfeift er ein lied/ es reimt sich nicht". Darunter sieht man den Mann schreiten, ein innen blattweißer Tusche-Klops, ein typisches elffriede-Wesen. Was soll man dazu sagen? elffriede, deren bürgerlicher Name hier auch nicht weiterhelfen würde, nennt ihr Buch "seismograph". Es reagiert lapidar auf meist wenig erschütternde Dinge, die man trotzdem oft rein gar nicht versteht. Aber man staunt bei jedem Umblättern und kommt gleich zu spät zur Arbeit. "wer vor neun aufsteht / ist vor zehn nicht aus dem haus / dinge zögern sich hinaus/dinge, mit denen leute sich etwas vorgenommen haben / darunter viele heimtrainer", weiß elffriede und zeigt, wie das aussieht, wenn einer zu Hause rumhängt. Gucken kann man erstmal unter www.elffriede.net. ith (judith von sternburg), d-frankfurter rundschau 07/07
"vielen dank für das schöne buch! ich hab schon angefangen zu lesen über gefrorene maulwürfe und lautlos sterbende hauslose schnecken und trinke nun ein glas wasser auf die klein- und unbedeutendtierwelt! sie lebe lange und hoch! ich hoffe, das ist in deinem sinne."
(dr. derk frerichs, "lebt, lehrt und straft in d-marburg a.d.l.", einer von 33 leuteZeichnungenbuch-autoren 2002)